
NACHT
Westfalen Barock 2026
Was entsteht, wenn Waffen schweigen? Wenn Menschen wieder Zeit finden für Begegnung, Neugier, Austausch – und für Musik? Diesem Gedanken folgt Westfalen Barock 2026. Der Blick richtet sich auf Friedenszeiten des 17. und 18. Jahrhunderts, in denen sich kulturelles Leben neu entfalten konnte.
Unser Konzert führt dabei nach Salzburg und in die Welt einer Familie, die eng mit der Musik ihrer Zeit verbunden war: der Grafen von Lodron. Ursprünglich aus dem Trentino stammend, gehörten die Lodrons über Generationen zu den prägenden Familien Salzburgs. Paris Graf von Lodron regierte von 1619 bis 1653 als Fürsterzbischof, gründete die Salzburger Universität und führte das Land vergleichsweise unbeschadet durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges.
Spätere Generationen der Familie wurden zu wichtigen Förderern der Musik. Ernst Maria Graf Lodron und sein Sohn Hieronymus standen mit Wolfgang Amadeus Mozart ebenso in Verbindung wie mit Joseph und Michael Haydn. Hieronymus engagierte sich darüber hinaus für den religiösen Frieden: Trotz seiner Herkunft aus einer katholischen Adelsfamilie unterstützte er die evangelische Toleranzgemeinde in Fischertratten.
Haydn – Musik mit Witz und Temperament
Die Cassatio oder Cassation war Musik für gesellige Anlässe, häufig zum Ausklang eines Festes oder als musikalischer Abschiedsgruß. Auch Joseph Haydn lernte diese unterhaltsame Gattung früh kennen. Eingängige Melodien, tänzerische Rhythmen und eine gehörige Portion Spielfreude prägen diese Musik.
Und natürlich fehlt auch Haydns berühmter musikalischer Witz nicht. Schon die ersten Akkorde lassen aufhorchen: Sie erinnern erstaunlich an den Beginn des ebenfalls im Programm erklingenden Beethoven-Sextetts – bei Haydn allerdings mit deutlich mehr Tempo. Der erste Satz entwickelt sich zu einem kleinen Feuerwerk voller Energie und Spritzigkeit.
Auch die beiden Menuette könnten unterschiedlicher kaum sein: Das eine kommt leicht und elegant daher, das andere beinahe bäuerlich und rumpelig. Dazwischen steht ein zauberhafter langsamer Satz, bevor Haydn das Werk mit einem feurigen Finale beschließt.
Mozart – eine Nachtmusik für die Familie Lodron
Eine besonders persönliche Verbindung zur Familie Lodron besitzt Mozarts Divertimento F-Dur KV 247. Ernst Maria Graf Lodron gab es 1776 bei dem jungen Wolfgang Amadeus Mozart in Auftrag – zum Namenstag seiner Frau Antonia.
Am 18. Juni wurde gefeiert. Die Musiker zogen mit einem Marsch auf, anschließend erklang nach dem Abendessen die neue Musik. Es war Sommer, und so fand die abschließende Serenade im Freien statt, während die Gräfin die ihr zugedachte Musik vom Fenster aus verfolgen konnte.
Aus diesem Anlass erhielt das Divertimento später den Beinamen „Lodronische Nachtmusik“.
Doch Mozart schrieb keineswegs Musik für den einmaligen Gebrauch. KV 247 erklang später erneut, unter anderem 1777 in München. Im selben Jahr komponierte Mozart für den Namenstag der Gräfin Lodron eine zweite „Lodronische Nachtmusik“, KV 287. Noch 1781 ließ er sich beide Werke nach Wien schicken, weil er sie für eine Aufführung benötigte.
So führt dieses Konzert mitten hinein in die musikalische Welt des 18. Jahrhunderts: Musik erklingt im Garten und bei Festen, zum Empfang und zum Abschied, für Freunde, Familien und hohe Herrschaften. Haydn überrascht mit Witz und Spielfreude, Mozart verwandelt einen familiären Festtag in große Musik – und über allem steht ein Gedanke, der über die Jahrhunderte nichts von seiner Bedeutung verloren hat:
Wenn Waffen schweigen, entsteht Raum für Begegnung. Und für Musik.
Mit freundlicher Unterstützung durch
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Lodronische Nachtmusik KV 247
mit Marsch KV 248
Joseph Haydn (1732–1809)
„Eine Abendmusik“
(Cassatio in Es-Dur)
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Sextett in Es-Dur op. 81b
caterva musica
mit
Oliver Nicolai, Maria Vornhusen – Horn
Elke Fabri, Katharina Fabri – Violine
Wolfgang Fabri – Viola
Imola Gombos – Violoncello
Joachim Gresch – Moderation




